Grundeinkommen

Zur Freiheit berufen - Online Tagung zum Grundeinkommen

Köln, 9. September 2021. Hätte ein Grundeinkommen in der Pandemie geholfen? Diese Frage wurde bei einer Online Tagung unter dem Titel „Zur Freiheit berufen!“ des Kompetenzzentrums Grundeinkommen der KAB Deutschlands intensiv diskutiert. Unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie haben nach Angaben der Dortmunder Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Ute Fischer besonders geringfügige Beschäftigte mit niedrigem Einkommen gelitten. Gut 25 Prozent der Betroffenen mussten Einkommenseinbußen hinnehmen, 17 Prozent befürchteten, ihre laufenden Kosten nicht decken zu können und zehn Prozent hatten Angst vor dem Verlust ihrer Wohnung.

Grundeinkommen: Hilfe in der Pandemie?

Der Lübecker Bariton-Sänger Simon Rudoff, Vertreter der besonders von der Pandemie betroffenen Berufsgruppe der Künstler, berichtete, dass er durch fehlende Auftritte 50 Prozent Einnahmeverluste hatte. Erhebliche Einnahmeverluste hatte auch der Gastwirt Roman Berk. Sein Kölner Südstadtlokal „Der Bootsmann“ hat keine Außengastronomie und musste im Lockdown schließen. Der Jungunternehmer musste trotz Förderung, Soforthilfe und Überbrückungsgeld vom Staat, seine angesparte Alterssicherung zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes heranziehen. Beide Freiberufler, gefragt nach einer möglichen Sicherheit durch das Bedingungslose Grundeinkommen, sehen zwar die finanziellen Vorteile, äußerten aber auch einige Vorbehalte. „Persönlich hätte es mir finanzielle Sicherheit gegeben, doch ein allgemeines Grundeinkommen führt vielleicht zu einer Verteuerung von Bier, Mieten und Gehältern“, so Gastronom Berk. Auch für den Berufsmusiker Simon Rudoff ist ein Grundeinkommen mit Befürchtungen verbunden „Viele Künstler würden dann wegen der finanziellen Versorgung weiterhin ihrer künstlerischen und musikalischen Arbeiten nachgehen, obwohl sie nicht die Qualitäten haben und das würde zu einem Überangebot in der Branche führen. Gute Musiker und deren Verdienste würden darunter leiden“.

Grundeinkommen braucht eine andere Wirtschaftsweise

Für den Pfleger Dominik Stark liegen die Probleme im Gesundheitssystem, insbesondere bei den Krankenhäusern, eher in ihren strukturellen Mängeln. Ein Grundeinkommen könnte aber nach seiner Meinung für Pflegerinnen und Pflegern in privaten Altenpflegeheimen bedeutsam sein. Es würde deren Abwanderung in den besser bezahlten Krankenhaus -Sektor vielleicht stoppen

Sehr enttäuscht zeigten sich die über vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde über die Statements der im Bundestag vertretenen Parteien. FDP, SPD und CDU lehnen ein Grundeinkommen völlig ab. Lediglich Katja Kipping und Sven Lehmann, Bundestagspolitiker von Die Linke und Bündnis 90/ Die Grünen, sehen in einem Bedingungslosen Grundeinkommen eine wichtige Teilhabechance und setzen sich in ihrer Partei dafür ein. Kipping, die seit vielen Jahren an der Seite der KAB für ein Grundeinkommen streitet, siegt im Bedingungslosen Grundeinkommen einen wichtigen Schritt zur Bekämpfung der Armut und einen Katalysator für die Arbeitszeitverkürzung..

In ihrem Resümee zur Veranstaltung sieht Andrea Hofmeiner, Sprecherin des Kompetenzzentrums Grundeinkommens: das Grundeinkommen zwar in der gesellschaftlichen Diskussion weiter auf der Agenda „ allerdings gibt es oft keine differenzierte Wahrnehmung der verschiedenen Modelle, sondern eine pauschale Ablehnung, wie man an den Stellungnahmen der Politiker*innen auch heute wieder sehen konnte“. Sie bat alle Teilnehmenden sich weiter für ein Grundeinkommen stark zu machen und die Europäische Bürgerinitiative zu unterzeichnen.

Ein Flieger für das Grundeinkommen

Der KAB Diözesanverband Köln als "Kompetenzzentrum Grundeinkommen" mal nicht mit einem Flyer, sondern mit einem Papierflieger als Unterstützung für das Grundeínkommen.
Unterstützen auch Sie die Europäische Bürgerinitiative Bedingungsloses Grundeinkommen - https://www.ebi-grundeinkommen.de/

Warum Garantiertes Grundeinkommen?

Als Arbeitnehmerbewegung setzen wir uns für Gutes Leben und Gute Arbeit für alle ein. Deshalb unterstützen wir aktuell in einem starken Bündnis die "Europäische Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen", die am 25. September letzten Jahres gestartet ist.

Diese fordert u.a. die EU-Kommission auf, einen Vorschlag für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der gesamten EU vorzulegen, um die regionalen Unterschiede zu verringern und den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt in der EU zu stärken, um Ungleichheit zu bekämpfen. (Gemäß der gemeinsamen Erklärung des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2017)

Einsatz für die Tätigkeitsgesellschaft

Mit der Vision einer Tätigkeitsgesellschaft und dem Instrument eines Garantierten Grundeinkommens beschreibt die KAB eine Alternative zur derzeitigen Verfasstheit der Arbeitsgesellschaft. Ein Kernanliegen der Tätigkeitsgesellschaft ist die Überwindung der Vereinseitigung auf Erwerbsarbeit gegenüber anderen menschlichen Tätigkeiten und Handlungsfeldern.

Wir setzen uns für eine solidarische Gesellschaft ein, in der alle Menschen gewiss sein können, dass für ihre existentiellen Bedürfnisse verlässlich gesorgt wird. Dies ermöglicht Menschen zum einen zwischen verschiedenen Tätigkeiten, je nach Lebenssituation, zu wählen – bezahlt oder unbezahlt, produzierend oder pflegend – und zwingt sie nicht mehr, wie bisher dazu, alles einer auf Marktlogik reduzierten Wirtschaft unterzuordnen: Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Freizeit, Weiterbildung, Verdienst und Arbeitszeit, Sorgearbeit, Gemeinwesen bezogene Arbeit und Weiterbildung sind für den Fortbestand unserer Gesellschaft genauso wichtig wie Erwerbsarbeit. Die Risiken einer veränderten Arbeitswelt (Digitalisierung, Zeitarbeit, befristete Arbeitsverträge, Verlust des Arbeitsplatzes durch Corona etc.) werden nicht individualisiert, sondern gesellschaftlich abgefedert.

Mit der Gleichwertigkeit aller Formen menschlicher Tätigkeit werden die Menschen selbst entscheiden können, wie sie ihre Gewichte innerhalb der Triade der Arbeit verteilen. Der Natur des Menschen entspricht es, dass sich diese Schwerpunktsetzungen je nach Lebenssituation (Arbeit, Familie, Bildungszeiträume etc.) verändern können.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Zeitsouveränität und Vereinbarkeit, also die flexible und selbstbestimmte Aufteilung der Lebenszeit und somit die Möglichkeit zur Entwicklung von integrierten Lebens- und Arbeitsentwürfen, muss jedoch auf eine belastbare Grundlage gestellt werden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann dieses Anliegen ökonomisch bzw. sozial umsetzen.

Die KAB setzt sich seit ihrem Bundesverbandstages 2007 für ein solches ein und hat ein eigenes Grundeinkommensmodell entwickelt: Jede Bürgerin, jeder Bürger (jede Frau, jeder Mann, jedes Kind, ohne gegenseitige Anrechnung im Rahmen von Bedarfsgemeinschaften) hat bedingungslos einen individuellen gesetzlichen Anspruch auf eine bedingungslose und menschenwürdige Existenzsicherung durch das Gemeinwesen.

Das soziokulturelle Existenzminimums, d.h. eine dem sozialen und kulturellem Standard entsprechende Lebensführung, die eine gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme ermöglicht, soll damit gewährleistet sein. - universell, personenbezogen, existenzsichernd und voraussetzungslos.

Jetzt unterschreiben!

Europäische BürgerInitiative "Bedingungsloses Grundeinkommen"

"Zur Freiheit berufen"

Flyer Europäische Bürgerinitiative

Kompetenzzentrum Grundeinkommen

                Andrea Hoffmeier,
                     Sprecherin
         Grundeinkommen@kab.de