KAB vor Ort

Statement zur politischen Arbeit 2026

KAB Diözesanverband Köln Motto: Christlich. Sozial. Mutig.

Liebe Freunde und Mitglieder der KAB,

wenn wir uns heute hier versammeln, dann tun wir das als Bewegung von Menschen, die nicht wegsehen. Wir gehören zu denjenigen, die Verantwortung übernehmen – in Kirche, in Gesellschaft, in Betrieben und Familien. Und wir tun das, weil wir überzeugt sind: Glaube ist keine Privatsache. Christlicher Glaube ist immer auch ein Auftrag, diese Welt gerechter zu machen.
„Christlich. Sozial. Mutig.“ – das ist nicht nur ein Motto. Das ist unser Kompass.

1. Christlich – unser Fundament
In einer Zeit, in der viele den Glauben ins Private drängen wollen, sagen wir klar: Christliche Werte sind gesellschaftlich relevant. Sie sind keine Folklore, sondern Fundament. Christlich heißt für uns: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. Das ist kein frommer Satz, sondern eine politische Aussage. Denn wer das ernst nimmt, kann nicht akzeptieren, dass Menschen in Armut leben, dass Geflüchtete an Grenzen sterben, dass Arbeit entwürdigt wird, oder dass die Stimme der Schwachen im politischen Betrieb überhört wird. Darum sagen wir: Eine Gesellschaft, die sich christlich nennen will, muss sich am Menschen orientieren – nicht am Markt. An der Würde, nicht am Profit. Am Gemeinwohl, nicht an den Aktienkursen.

2. Sozial – unsere Aufgabe
ie soziale Frage ist heute nicht kleiner als zu Zeiten Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Nur anders. Damals hieß sie: Wie schützen wir die Menschen in der Industrialisierung? Heute heißt sie: Wie schützen wir die Menschen in einer digitalisierten, globalisierten, oft entgrenzten Arbeitswelt? Wir sehen: Arbeitszeiten werden flexibler – oft zu Lasten der Beschäftigten. Familien brauchen mehr Sicherheit und Planbarkeit. Die Rente muss gerecht bleiben – auch für die Generation, die in prekären Jobs arbeitet oder Sorgearbeit leistet. Und wer heute jung ist, darf morgen nicht für ein System bezahlen müssen, das wir versäumt haben, solidarisch zu gestalten. Darum fordern wir als KAB:

• Arbeit muss wieder für den Menschen da sein – nicht umgekehrt.

• Tarifbindung, Mitbestimmung und soziale Sicherheit müssen gestärkt werden.

• Wir brauchen eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, die Care-Arbeit gerecht abbildet und Altersarmut verhindert.

• Und: Klimaschutz darf nicht auf Kosten der Schwächeren gehen – er muss sozial gerecht gestaltet werden.

3. Mutig – unser Auftrag Mutig zu sein heißt heute, unbequem zu bleiben.
Mutig zu sein heißt, nicht alles hinzunehmen, was „alternativlos“ genannt wird. Mutig zu sein heißt, Haltung zu zeigen – auch gegen den Strom. Wir erleben, wie unsere Demokratie unter Druck steht. Wie Hetze, Angst und Ausgrenzung wieder salonfähig werden. Wie die Spaltung zwischen Arm und Reich wächst – und manche daraus politisches Kapital schlagen. Unsere Antwort als KAB ist klar: Wir stehen für eine solidarische Gesellschaft. Für Mitmenschlichkeit statt Menschenverachtung. Für Gerechtigkeit statt Gleichgültigkeit. Und wir werden weiter laut bleiben – in den Gemeinden, in den Betrieben, in der Öffentlichkeit. Wir müssen als Christ:innen wieder politischer werden. Nicht parteipolitisch, aber parteiisch – für die Menschen, die unsere Stimme brauchen. Darum wollen wir im kommenden Jahr:
• unsere politische Bildungsarbeit ausbauen, • junge Menschen ermutigen, sich einzumischen,
• und in Kirche und Gesellschaft deutlich machen: Sozialethik ist keine Fußnote, sondern Kern des Evangeliums.

4. Ausblick und Auftrag
Das kommende Jahr wird geprägt sein von Herausforderungen – wirtschaftlich, sozial, kirchlich. Aber es bietet auch Chancen: für ein neues Miteinander, für gerechtere Strukturen, für mehr Solidarität. Wir in der KAB werden weiter unseren Beitrag leisten – mit Überzeugung, mit Herz und mit Haltung. Wir wollen unbequem bleiben, wo es nötig ist, ermutigend, wo Menschen Hoffnung brauchen, und verbindend, wo die Gesellschaft auseinanderzudriften droht. Denn unser Glaube verpflichtet uns. Unsere Geschichte bestärkt uns. Und unsere Gemeinschaft trägt uns. Christlich. Sozial. Mutig. – Das ist KAB. Das bleibt unser Weg. Und dafür lohnt es sich, zu streiten.

Uwe Temme, Diözesanvorstand